Die Geschichte des Klosters Margrethausen

Nach chronikalischer Überlieferung wurde bereits 1298 eine Schwesternsammlung in Margrethausen errichtet, die 1334 durch Papst Johannes XXII. zusammen mit anderen Beginenhäusern aufgehoben wurde. Urkundlich gesichert ist jedoch erst die Gründung eines Konvents (Patrozinium: Hl. Dreikönige) 1338/39, als durch den Ortsherrn Konrad von Tierberg den Klausnerinnen ein an der Kirchmauer errichtetes Gebäude überlassen wurde. 1339 erfolgte die Erlaubnis zum Bau eines Gangs von der Klause in den Chor der Kirche. Die Zahl der Schwestern wurde durch den Stifter zunächst auf vier Frauen beschränkt, um 1350 lebten aber bereits acht Schwestern nach der Drittordensregel der Franziskaner im Kloster zusammen.

Stahlstich des Klosters Margrethausen um 1700

Franziskanerinnenkloster Margrethausen – die Chronologie

1372

1372 wurde die Begrenzung der Zahl der Insassinnen aufgehoben. Die Vogtei über das Kloster lag bei der Ortsherrschaft, gelangte somit mit dem Erbe der Tierberger 1550 an die Herren von Westerstetten und ab 1625 an die Schenken von Stauffenberg. Das Kloster verfügte bereits im 14. Jh. über Grundbesitz in zahlreichen Orten der Nachbarschaft sowie in Margrethausen selbst.

1492

Ab 1492 entstanden Auseinandersetzungen mit dem Ortsherrn Melchior von Tierberg und dessen Sohn Johann Konrad vor allem wegen Frondiensten und dem Bürgerrecht der Klausnerinnen in Ebingen, wo die Schwestern im Spital ein "Nonnenstüble" unterhielten. Die Streitfälle kamen an Württemberg, das das Kloster vor weiteren Übergriffen schützte (1498, 1524). Auch nach der Einführung der Reformation in Württemberg hielt das Kloster seine guten Beziehungen zum Herzogtum als Gegengewicht gegen die Forderungen des Ortsherrn aufrecht.

1618

Im 30-jährigen Krieg verwahrlosten die Klostergebäude, zudem gingen die Einkünfte des Klosters deutlich zurück. Ab 1699 entstanden Pläne für einen Neubau, der durch Almosen mitfinanziert wurde. Der Baubeginn erfolgte 1720, 1723 wurde die Anlage, die nun auch eine eigene Klosterkirche besaß, geweiht. Der Konvent umfasste in der zweiten Hälfte des 18. Jh. zwischen 16 (1799) und 18 (1755) Schwestern.

1799

1799 wurde das Kloster durch französische Truppen gebrandschatzt. Mit der Säkularisation fiel das Kloster an Württemberg. Die Franziskanerinnen besaßen zu diesem Zeitpunkt Güter in 13 Orten der Nachbarschaft. Zunächst konnten die Schwestern noch im Kloster verbleiben, 1811 wurden die 15 Frauen jedoch mit jährlichen Pensionszahlungen durch das Königreich abgefunden.

1806

Ab 1806 befand sich vorübergehend eine württembergische Försterei im Nordflügel des Klosters. Als das Gebäude in den nächsten Jahren ungenutzt blieb, wurde ein Teil der Ausstattung geplündert.

1815

1815 lebte noch eine Schwester im ehemaligen Kloster.

1824

1824 verkaufte Württemberg den West- und Nordflügel an die Gemeinde Margrethausen, die diese als Schulraum und Lehrerwohnung wie auch für die Ortsverwaltung nutzte. Der Ostflügel wurde 1859 an das Dekanat Schömberg veräußert, das dort eine Pfarrerwohnung einrichtete. Die kleine Klosterkirche, zwischen Konventsbau und Pfarrkirche gelegen, wurde ebenso wie das Haus des Beichtvaters, der Südflügel und ein kleiner Teil des Nordflügels des Konventsbaus abgebrochen. Die Gemeinde Ratshausen erwarb die beiden Barockaltäre und das Hochaltarbild für ihren Kirchenneubau.

1955

Bis 1955 befanden sich Schulräume in der Klosteranlage (1936 – 1954 auch der Kindergarten). Der südliche Teil des Westflügels wurde als Turnhalle genutzt, dann als Feuerwehrmagazin (bis zur Gegenwart). Der Ostflügel dient seit 1981 der Kirchengemeinde. In den Jahren 2000/01 erfolgte die Umgestaltung des Klosterhofs. Lediglich im Untergeschoss des Ostflügels haben sich einzelne Räume aus der Klosterzeit original erhalten (Lagerräume, Backofen, Raum zum Trocknen der Wäsche).